
Ich wache früh auf. Trotz des hellen Tagesanfangs sehe ich nichts. Alles ist im Nebel. Zum Glück habe ich alle Packtaschen am Abend geschlossen. Mein Außenschlafsack ist pitschnass. So richtig möchte ich nicht aus meinem kuscheligen und warmen Schlafsack. Wenn ich daran denke bei der Kälte auf dem Rad zu sitzen und sich warm zu strampeln. Naja ein warmer Tee bringt mich zu mindest erstmal auf die Beine. Es ist schweinekalt und wenn ich das sage dann ist es das auch. Ich hab meine Winterradbekleidung meine dicken Winterhandschuhe und Mütze an und es will einfach nicht warm werden. Ich packe mit steifen Fingern mein Rad und fahre erstmal in den nächsten Ort zum Bäcker wo ich ausgiebig und im Warmen frühstücke. Danach geht es mir wesentlich besser. Doch der Nebel will einfach nicht davon ziehen. Erst gegen 10 Uhr sticht die Sonne hervor. Ich fahre nun immer weiter den Main entlang. Kleine Dörfer und Städte laden zum Anhalten ein. Da ich ja meine Taschen auch noch mit etwas essbaren gefüllt habe kann ich mir hier und da das zweite Frühstück und den Elf-Uhr-Imbiss gönnen. Ich könnte ein Hobbit sein (was die Ernährung anbelangt)! Die Sonnewärme dringt mir nun in die Kleider. Es wird mir zu warm. Das ist das einzig nervende an der Tour. Früh mit warmen Winterklamotten und Mittag kurzbeinig und mit Langarmtrickot zu fahren. Diese ewige Umzieherei hasse ich. Egal weiter gehts.
Bei Bettingen, östlich von Wertheim, fahre ich den Aalbachradweg um schneller nach Würzburg zu gelangen, denn der Main macht ein riesigen Bogen nach Norden. In Würzburg schaute ich mir den wunderschönen Stadtkern an. Kann ich jedem empfehlen! Viel Zeit hatte ich nicht, aber es reichte um mir zu sagen, dass ich noch mal nach Würzburg fahren muss. Weiter ging es am Main entlang.
Ich komme gut auf dem breiten Asphaltradweg voran. Rechts und links des Mains wird reichlich Wein angebaut. Allmählich sinkt die Sonne gen Horizont. Ein Zeichen für mich, das ich auf Lagerplatzsuche gehen soll. Kurz vor Sonnenuntergang sehe ich in der Ferne einen Weinberg auf dessen Gipfel sich eine kleine Hütte befindet. Das ist mein Platz für heute. Die Kraftreserven reichen aus um den Anstieg am Berg zu bezwingen. Oben angekommen setzte ich mich vor die Hütte und genieße den Sonnenuntergang. Die Hütte ist nicht bewohnt, wird aber gastwirtschaftlich genutzt. Aber zurzeit ist keine Weinernte und somit keiner da um mich zu einem Wein einzuladen. Schade.
Nach dem leckeren Essen vor der Hütte. Baue ich mir um mein Lager die Packtaschen gegen den Nordwind auf. Von hier sehe ich schon Schweinfurt, durch das ich morgen fahren werde.
Bei guten 2°C schlafe ich zufrieden über die geschaffte Teilstrecke ein.