
Stocksteif werde ich wach. Es ist kälter als ich dachte. Alles ringsum ist weiß. Nach einem kurzen aber intensiven Morgensport um meinen Lagerplatz befreie ich sämtliche Sachen von Reif. Mein Schlafsack muss wie an allen anderen Morgen im Fahrtwind des Rades trocknen. Diese Methode hat sich bei dem Sonnigen Wetter bewährt. Mehrmaliges Wenden führt nicht nur zu einem trockenen Schlafsack sondern auch zu einem gut durchlüftetem!
Der Bäcker ist wie immer der erste Meilenstein des Tages. Hier können mich Tee sächsischer Apfelkuchen, Streuselkuchen und Bienenstich auf die Beine bringen. Heute nehme ich die letzten Hürden die mich hier im heimischen Erzgebirge erwarten. Nach einem morgendlichen Anstieg nach Eibenstock geht es auf gleicher Höhe und dann wieder abfahrend nach Schwarzenberg bzw. Aue. über Zwönitz und Geyer erreiche ich Wolkenstein. Hier kann ich endlich mal eine längere Strecke ohne steile Anstiege der Zschopau folgen. Ab hier befinde ich mich in meinem Revier. Komischer weise hört hier auch meine Karte auf. Ich habe nicht gedacht eine von der Heimat mitzunehmen. Warum auch.
In Zschopau geht es über die kleinen Erzegebirgsdörfer in Richtung Freiberg. Bald erscheinen die ersten Orte mit der Unterschrift “Kreis Freiberg”. In der Ferne Tauchen ab und zu die Schornsteine von Brand bzw. Freiberg auf. Immer mehr realisiere ich das ich nun daheim ankomme.
Erst als ich mich auf die Schwelle meines Schuppens setze und die letzte Packung Wiener verdrücke spüre ich das ich zu Hause bin. Das klingt so als ob ich weit weg war, aber nun ja 700 km mit dem Rad sind anders als mit dem Auto! Die letzten zwei Tage lassen deutliche Spuren hinter sich. In Mittelgebirgen kann man vielleicht keinen L’Alpe d’ Huez fahren, aber mehrere Tage Höhenkilometer sind natürlich möglich.
In diesem Sinne, nehmt den kurzen steilen Weg!!!