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Jomolungma Blog

Themen aus Natursport, Technik und der Welt

In Schnee und Sturm

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Hallo zusammen,
ich wünsche euch erst einmal noch ein frohes, gesundes, neues Jahr!
Bleibt alle gesund und lest immer fleißig meinen Blog (wenn ich denn mal was rein schreib).
Nun zum Thema:
Gestern musste ich mal wieder raus, denn ich war lange nicht mehr unterwegs.
Ich wollte die Skimagistrale im Erzgebirge entlangfahren. Da bot sich die Schleife rings um Altenberg an. Also ab ins Auto mit Sack und Pack und los gings nach Teichhaus. Das Wetter war mal wieder nach meinem Geschmack, bewölkt, windig und bei uns in Freiberg -3C. In Teichhaus sah es ein bisschen anders aus. Der Himmel war ziemlich dunkel, was durch meine Sonnenbrille nicht besser aussah. Windig konnte man es hier nicht nennen, denn mir zog es beim Aussteigen gleich die Tür aus der Hand. Kälter war es außerdem noch. Also zog ich mir gleich mein Notpulli noch drunter, dann doch lieber die dicken Handschuhe an und lieber doch noch das Buff um den Hals.
Auf ging es auf die Loipe. Diese war recht gut gespurt. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Naja bei dem Wetter!?
Nach langer Zeit stand ich nun wieder auf den Brettern und fuhr durch den herrlichen Winterwald in Richtung Deutschgeorgenthal oder besser Cesky Jiretin. Beim Torfhaus zeigte das Thermometer -6°C auf 752 m. Der Wind zeigte sich sehr böig und nicht beständig. Ich kam doch ganz gut voran. Die 7 km nach Deutschgeorgenthal waren bald geschafft. Und dann sah ich endlich die ersten Gleichgesinnten. Mir kamen nun einige Skilangläufer entgegen.
In Cesky Jiretin (Tschechien) musste ich mich erstmal nach der Beschilderung umsehen. Hier heißt es nicht mehr SM (Skimagistrale) sondern KLM (Krušnohorská lyža?ská magistrála). Doch dann fand ich den Abzweig. Die KLM verlief nun auf einer Straße. Diese war mit Schnee bedeckt bzw. bestand mehr oder minder aus Eis. Also V-Schritt und die Stöcke so derb wie möglich ins Eis rammen. Nach langer Quäerei war ich nun oben angekommen. Ich hatte mittels dieser Eisstraße 147m in der Höhe gewonnen und das auf kürzester Strecke. Hier oben auf dem Kamm befanden sich Traumhafte eingeschneite Häuser, die aber momentan nicht bewohnt waren.
Plötzlich hupte es direkt hinter mir, ich drehte mich um und sah schon das Auto auf meinen Skiern stehen. Doch es fuhr so langsam und bedacht dass ich zur Seite gehen konnte. Ich hatte es durch den Sturm nicht herankommen hören.
Hier oben auf 800m sieht die Welt bizarr weiß aus. Der Wind hat schöne Kristalle an alles geformt. Es ist hier auch ein wenig käter als drüben an der Fischerbaude. Das spüre ich an den Händen und am Hintern. Jetzt geht die KLM erstmal gemütlich durch den niedrigen Wald. Die Bäume wachsen hier nicht so hoch. Kein Wunder bei diesen Witterungsverhältnissen. Aber wenn es ab und zu eine freie Wiese kommt dann pfeift es gewaltig.
Nach getaner Arbeit ist die erste Pause fällig, meine Schnitten schmecken bei jedem Wetter und der Tee tut gut. Nach weiteren Kilometern in meiner eigenen gespurten Loipe (denn bei dem Wind findet sich keine alte Spur mehr) kommt keine Markierung mehr. Ich folge dem Waldweg und lande wie durch die Karte geplant auf einer Straße. Doch ich bin zu weit unten auf sie gekommen. Somit muss ich die Straße hinauffahren bis ich auf den Weg komme. Die Straße kenne ich vom Sommer, aber jetzt sind hier nur 20 cm tiefe Spuren der Räder zu sehen. Dazwischen bahne ich mir meinen Weg durch den teilweise hart gepressten Schnee. Dann komme ich wieder auf meinen Weg. Ein wenig später wandelt sich mein zugeschneiter Waldweg in eine echte Langlaufpiste. Auf einer Seite ist die Loipe wie in den Schnee gefräst und auf der anderen Platz für die Skater. Nur ab und zu behindert eine 50 cm hohe Schneewehe den Weg.
Ich schaue meistens nach vorne um das neu entdeckte Land das aus dem Schneegestöber hervortritt zu betrachten und zur Orientierung zu nutzen. Aber so richtig zu frieden bin ich nicht. Aber wenn ich dann und wann etwas Bekannten wieder erkenne küsse ich meinen kalten Skistock und reiße den Arm in die Luft als hätte ich einen Weltcup in Oberhof gewonnen.
Aber irgendwann muss ich die schöne Loipe verlassen, denn da steht ein Wegweiser nach Nove Mesto. Somit folge ich ein paar Skispuren, die jetzt sehr oft unter Schneewehen verschwinden. Das Terrain ist jetzt auch oft im offenem Feld, nur ab und zu geht es durch den windgeschützten Wald. Die Markierungen lassen nun auch wieder nach. Nach einem weiteren Stück Wald geht es auf das offene Feld dort sehe ich weder Spuren noch einen Weg. Ich folge meinem Instinkt und finde am Ende einen Weg bzw. dann auch ein Holzhäuschen. Doch nach einer Weile fahre ich wieder mit mulmigem Gefühl im Bauch. Jetzt wird der Sturm immer schlimmer. Ich sehe keine 100m weit. Dabei ist das fahren bzw. wandern über die Schneewehen sehr kräfteraubend. Wenn ich dann und wann schwanke weil ich wieder in eine Schneewehe breche kommt auch die Böe von der Seite und versucht einem umzuhauen. Ich befinde mich nun in einer Allee von verkrüppelten Bäumen die mit Eis überzogen sind. An diesen Bäumen sammeln sich riesige Schneewehen.
Nach kilometerweitem Fahren an dieser Allee steht plötzlich unerwartet ein Wegweiser. In die Richtung in die ich fahre steht ein Ort den ich noch nie gelesen habe und in der, wo ich herkomme, steht Nove Mesto, wo ich hin will. Ich stehe mit offener Kinnlade da. Ich zweifle und bin mit meiner Orientierung nicht im reinen.
Plötzlich weis ich nicht mehr wo ich bin. Als erstes hole ich den Kompass raus. Ok, ich war instinktiv richtig, ich bin nach Norden gefahren. Dann kontrolliere ich die Angaben mit der Karte. Ich weis jetzt wieder wo ich bin. Weiter geht es egal ob ich nach Nove Mesto fahre oder nicht. Ich will wieder in den schützenden Wald. Doch weit und breit sehe ich keinen, zumindest in meinem 200m Rundumblick nicht.
Nach dem Orientierungsshock merke ich das ich die ganze Zeit ohne Handschuhe die Karte gehalten habe. Ich habe steife Hände. Doch nach einer Weile Hände pusten, Schneewehen erklimmen und Warmlaufen geht es wieder. Nach einiger Zeit sehe ich an meinem Horizont Wald. Doch es ist noch ein ganzes Stück zu laufen.
Als ich in den Wald endlich komme sehe ich vor mir zwei weiße Grenzsteine und ein Schild “Bundesrepublik Deutschland”. Ich bin erleichtert und überglücklich es geschafft zu haben, denn jetzt weis ich, dass die Beschilderung mich nach Teichhaus bringt. Nach einer Weile komme ich an einer Karte vorbei auf der ich meinen irrsinnigen Weg nachvollziehen kann. An einer Picknick-Bank nehme ich mir noch einen guten Schluck Tee und meine Schinkenschnitte zu mir. Jetzt kann nichts mehr passieren. Doch schon am nächsten Anstieg merke ich die Spuren, die der Sturm bzw. die Fahrt hinterlassen haben. Bald bin ich am Torfhaus und sehe die ersten Langläufer seit dem Morgen. Dann habe ich die steile und schnelle Abfahrt gemeistert und bin erschöpft und glücklich am Teichhaus. Nach ca. 24 km (laut Google Maps) habe ich meinen Startort erreicht. Sicher war die Runde die ich fahren wollte für diese Witterungsverhältnisse nicht geeignet, aber sicher machbar.

1 Kommentar »

  Laura wrote @ Januar 11th, 2008 at 21:22

Du bsit verrückt, aber das weiss ich ja schon seit Jahren. Ich zieh -glaub ich- eher ne Tasse Glühwein vor und ein gutes Buch. Liebe grüße

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